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Bericht von meli

16 Jahre, (mehr) Angehörige



hm ja wollt bisschen aufschreiben was ich für erfahrungen mit Alk gemacht hab, wie ichs mit erlebt hab und wies heute für mich ist und so.....nu bin ich aber so aufgeregt das ich gar keinen Anfang find hm kann also bisschen wirr werden weil ich schreib jetzt alles einfach wie es mir gerade in den kopf kommt ....... also dann…wag ich es mal
bin ja in einer *Alkfamilie* groß geworden und hab gesehen was Alk alles anrichten kann, was er aus einem Menschen machen kann...wie Menschen werden könn wenn sie trinken. habs körperlich zu spüren bekommen und auch psychisch mit Liebesentzug ...Gleichgültigkeit und Worten hm .....ich wünscht mir ich hätte diese Erfahrung nicht gemacht. auf der einen Seite weil ich sehe was diese Menschen da aus mir gemacht haben.
Ich hab gesehen wie Menschen dadurch härter wurden...kälter....skrupelloser ....hemmungsloser und fies und irgendwie auch unberechenbar… Sorry wenn ich das so krass sag aber das ist meine Erfahrung gewesen und mir fällt das so schwer das alles zu verstehen ....ich verstehe so vieles davon noch nicht obwohl ich es gern würde.

Getrunken haben beide…Mama und mein *Exstiefvater - Armleuchter*.
*Armleuchter*, weil er für mich nichts anderes ist als ein Armleuchter, also schreibe ich hier auch weiter Armleuchter rein.
Ich kann nicht genau sagen wann genau das anfing…genauso wenig kann ich mich an eine Zeit davor erinnern…hab es verdrängt …einfach aus mein Kopf geschmissen. Aber meine Thera vermutet das es so mit dem 5.-7. Lebensjahr anfing.
Sie tranken beide sehr viel…finde ich.
Er wurde oft sehr aggressiv wenn er getrunken hat…schlug um sich...warf alles rum und tat weh…mit Worten und körperlich. Bei ihm musste es keinen Grund geben…er fand immer etwas um auf uns rum zuhacken. Selbst das *nichtssagen* war schon ein Grund …selbst das atmen.
Wenn er nüchtern war, war er auch so…aber nicht so extrem…durch den Alk war es nur schlimmer. Aber darüber mag ich weniger schreiben…
Und meine Mutter…sie bekam mehr so eine Egal-Art . Ja sie schimpfte auch viel…es kam nichts mehr von ihr rüber…außer Kälte und Vorwürfe…und Gleichgültigkeit.
Es gab oft streit zwischen den beiden. Sie schrien sich an.. und schlugen sich auch. Naja eher er schlug zu. Sie wehrte sich manchmal nur. Ich saß dann oft im Zimmer und habe meine Decke über den Kopf gezogen. Ich hatte Angst das er ihr was antut, das er ihr sehr weh tut. Ich hatte nur Angst. Manchmal schaffte ich es dazwischen zu gehen und dann bekam ich selber etwas ab. Aber das war mir egal…ich spürte es schon gar nicht mehr-als hätte ich mich dran gewöhnt.

Ab und zu gab es Besuch von den sogenannten *Saufkumpels* ich fand das einfach widerlich….ich fand die widerlich, und habe mich in mein Zimmer verkrochen. Und habe gewartet bis alles ruhig war.
Es war schrecklich für mich…jeden morgen der Gestank in der Wohnung…überall diese Pullen…ich schlief oft erst ein wenn auch sie eingeschlafen sind. Vorher hab ich manchmal Mama geholfen ins Bett zu kommen, weil sie einfach nicht mehr in der Lage war richtig zu laufen und immer hinfiel … und am nächsten Tag fing ich oft an alles aufzuräumen…

Ich finde kaum Worte dafür…wie ich mich in der Zeit gefühlt habe. Was in mir vorging…ich fühlte mich einfach…hilflos, alleine, einsam,. .ich fühlte mich schuldig und fragte mich oft was ich falsch gemacht habe. Ich schämte mich so sehr. Ich hatte auch keine Freunde …zog mich immer mehr zurück…und nach außen bloß nichts anmerken lassen.
In der Schule fehlte ich oft…weil ich es nicht schaffte oder nicht durfte.

Zuhause fing ich dann auch damit an zu trinken, keine Ahnung wieso...vielleicht weil mir das so vorgelebt wurde...weil ich dachte es muss so sein...Mama und er tun das auch also muss ich das auch tun...es wird überall so sein…vielleicht aber auch das ich nix mehr mitkriege von dem was sie mir angetan haben...von dem was zuhause alles ablief….naja später kam ich in eine Clique und ging dann öfter zu Partys wo es auch immer Alk gab und eben andres Zeugs…
Es machte das Ganze nicht leichter…ich suchte und suchte immer nach Lösungen wie ich mich und Mama da rausholen konnte. Ich suchte nach Sachen die ich anders machen kann damit sie endlich aufhört. Ich habe sie oft angefleht aufzuhören…und mit mir wegzugehen…abends, nachts lag ich im Bett…hab gebetet(keine Ahnung zu wem)…ich habe einfach gefleht das es am nächsten Tag anders ist. Die Hoffnung war immer da…und wurde immer wieder zerschmettert….nichts von alledem hat sie gehört….nichts.

Irgendwann ging bei mir nichts mehr…und ich wendete mich online an eine Beratungsstelle…wir haben viel geschrieben und fingen an zu planen wie ich dort weg komme. So war es dann auch …im Nov 05 war ich endgültig weg von zuhause.

Nein mir ging es dadurch nicht besser….ich hatte ein schlechtes Gewissen und hab es heute noch. Wie konnte ich sie nur alleinlassen?
Das ich weg bin hat natürlich auch nichts geändert…sie soffen *fröhlich* weiter.
Meine Mutter hat dann *anders aufgehört. Ich glaube sie hat das ganze selber nicht mehr ertragen …sie fand keinen Weg mehr und im März 06 hat sie sich dann das Leben genommen ... und er sitzt nun im Knast weil er viele schlimme Sachen tat.

Und heute? Wie geht es mir heute?
Normal müsste mich das Ganze abschrecken…selber zum Alk zu greifen …und phasenweise tut es das auch. Dann überrennt mich solch Wut und ich fange an mich davor zu ekeln. Und denke…nein genau da möchte ich nicht hin und ich kämpfe mich irgendwie durch.
Dann gibt es aber diese Phasen…wo ich wieder selber trink…und kiff. Nur um mal *ruhe* zu haben. Um nicht denken zu müssen…um nichts spüren zu müssen. Um all den Schmerz der in mir ist besser ertragen zu können. Die Phasen kommen wenn mir die Kraft zum kämpfen fehlt.
Aber ich möchte weiter kämpfen und ich weiß das ich es auch irgendwann schaffen werde! Das diese Phasen mich nicht im Griff haben werden. Jetzt mach ich schon eine Weile Therapie und es hat sich auch schon etwas getan. Aber es reicht noch lange nicht. Ich muss weiter machen. Es sind auf und ab's…ich leb von einem Extrem ins nächste. Und es gibt noch so verdammt viel was ich aufarbeiten muss…was ich hinter mir lassen muss…womit ich klar kommen muss. Und es wird auch noch sehr lange dauern bis ich es geschafft habe.

Aber ich möchte nicht so werden wie sie...ich möchte keinem Kind oder anderen weh tun...nicht körperlich...und nicht psychisch...ich möchte keinem Liebe entziehen weil er unartig war...und ich möchte leben und mich nicht wie Mama vom Alk im Suizid treiben lassen…..klingt hart grade was ich schreibe...ja ich bin sau wütend auf Mama...ich könnte um mich schlagen ...sie hat vieles durch den Alk kaputt gemacht...an mir kaputt gemacht...an uns kaputt gemacht....*wein* damals...und heute weil sie einfach gegangen ist.
Im Moment lebe ich nicht, das weiß ich... aber ich weiß das ich irgendwann leben werde ....
ich mag später nicht verbittert sein...auf andere schimpfen weil ich mein Kram nicht auf die Reihe gekriegt hab...ich möchte nicht dort sitzen und rumheulen was ich doch alles verpasst habe weil ich so war wie Mama und der Armleuchter....weil ich mich im Suff gesuhlt hab...weil ich alles weggetrunken hab.....oder weggekifft habe.

Ich möchte dort sitzen und lächeln und mich zurück erinnern wie schön ich es mir selber gemacht habe....dafür werd ich alles tun und kämpfen und versuchen alles was gestern war... vor Wochen war...was zuhause war hinter mir lassen...... ich möchte später sagen können....
ja, ich habe gelebt!