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Bericht von Lisa

16 Jahre, angehörige, aus Kierspe



Ja, wie fange ich an?
Ich heiße Lisa, bin 16 Jahre alt, und Angehörige. Meine Mama ist Alkoholikerin. Jedoch ist sie seid Februar 2001 trocken, trinkt also keinen Alkohol mehr.
In dieser Zeit war bis jetzt alles super.
Jedoch war das nicht immer so.
Befor sie 2001 in die Klinik gegangen ist, hat sie schon einmal eine Therapie gemacht, da aber nur für sich, damit sie von dem scheiß wegkommt, hat das alles eigendlich garnicht sooooo ernst genommen. Leider, denn Silvester 2000 kam dann ein entscheidender Tag in meinem Leben.
Sie trank wieder einen Schluck Sekt in ihrem O-Saft. Papa wollte mir noch die Augen zuhalten, dass ich das ja nicht mitbekomme, aber naja, geklappt hat es nicht.
Am ende des Abends war sie nach langer Zeit wieder betrunken.
Ich verzog mich bei meiner Tante im Wohnzimmer, ich konnte mir das einfach nicht mit angucken, und war am weinen
Mama und Tante K. kamen dann mit ihrer Sektfahne zu mir und wollten mich trösten, dass alles erklären, aber ich konnte auf diese Erklärung verzichten, denn mir wurde schon ganz schlecht von der Fahnen von den beiden.

Nun gut, Silvester war vorbei, und damit auch die Trockenheit von meiner Mama.
Danach die Zeit war die schwerste in meinem Leben. Jeden Tag steigerte sich der Alkoholkonsum meiner Mama. Ich selber zog mich mehr und mehr in meine eigene Welt zurück.
Freunde hatte ich kaum, weil ich keinem zeigen wollte, wie es hier zuhause abgeht, es war mir einfach nur peinlich!
Ich saß den ganzen Tag in meinem Zimmer, isolierte mich von der Außenwelt.
Und es wurd immer schlimmer und schlimmer.
Mama trank immer mehr, das erste Bier war um 11 Uhr offen. Sie aß kaum noch was, und hat sich jeden morgen übergeben, es war der reinste Horror für mich, mir das jeden Morgen anzuhören.
Und dann kam der beste Tag in meinem Leben. Es war nicht toll, aber für mich war es ein toller Tag.
Ich selber war krank, stand gerade in der Küche und wollte meine Medizin nehmen. Plötzlich hörte ich nur noch ein Poltern und sah Mama auf dem Boden liegen, sie wra die Treppe runtergefallen.
Ich hab erstmal total angefangen zu heulen, und ihr als allererstes mitten ins Gesicht geschriehen, also wirklich geschriehen, das daran nur dieser Scheiß Alkohol schuld ist. Oh man, wie ich diese Worte immernoch in den Ohren habe.
Ich bin dann heulend ins Zimmer gerannt, Papa kam rein und wollte mit mir reden, ich hab ihn einfach nur weggeschickt, er solle mich in Ruhe lassen, sie sollten mich ALLE in Ruhe lassen, ich hatte einfach keinen bock mehr auf die.
Irgendwann Abends hatte auch ich mich wieder beruhigt, und Papa rief mich, ich sollte doch mal bitte nach oben kommen.
Ich tat es, und dann sagte meine Mama nurnoch das sie wieder in die Klinik gehen würde, ich war glücklich, ich war so verdammt glücklich, ich dachte: JETZT hat es alles ein Ende, JETZT hört sie wirklich auf!
Sie ging am nächtest Tag zu ihrer Hausärztin, und die schrieb ihr dann die Überweisung in die Klink.
Diesmal ging sie nicht in die Klinik, mit dem hintergedanken das sie den sch**** einfach nur loswreden wollte, sondern diesmal dachte sie an SICH, aber vorallem an MICH und meinen Papa.
Es war toll zu sehen, wie Mama immer kräftiger wurde, immer stärker.
Nachdem sie aus der Klinik kam, wurde auch Familiär alles besser. K
lar zicken ich und Mama uns öfters mal an, aber das brauchen wir einfach *lach* .Wir können einfach nicht mit und nicht ohne einander. ;o)
Nungut, zwischendurch kamen wieder so Phasen, wo sie Saufdruck hatte, aber das haben wir alle gemeinsam durchgestanden, indem Mama wieder unter ihre sogenannte Käseglocke gegangen ist, also in die Klinik, das ist aber auch schon laaaaaange her!

Naja, ich denke einfach, ich hab jetzt mal genug geschrieben =)

Mama ich liebe dich, und ich bin soooo verdammt stolz auf dich das du das alles geschafft hast!!!

Lisa

Kierspe, 08.2005